Anke Fuhrmann (46)

Beruflich wiedereinsteigen und dann gleich in Vollzeit? Geht das? Anke Fuhrmann, alleinerziehende Mutter einer Tochter, ist sich unsicher, ob sie eine attraktive Vollzeitstelle als Berufsschulleiterin annehmen soll. Schließlich entscheidet sie sich dafür. Das dadurch veränderte Leben von Mutter und Tochter hat sich inzwischen gut eingespielt.

Frau vor Tafel mit Diagrammen

Vor acht Jahren wurde unsere Tochter geboren, berichtet die Lebensmittelingenieurin Anke Fuhrmann*. Mein Arbeitsvertrag lief damals gerade aus und mir war das ganz recht. Ich plante, drei Jahre zu Hause zu bleiben, und wollte anschließend beruflich umsatteln. Eine zusätzliche Qualifizierung als Personalreferentin hatte ich dafür bereits erworben. Sie sei immer auf der Suche nach einer Position gewesen, in der sie viel gestalten und entscheiden könne, hätte als Ingenieurin aber nie eine Stelle gehabt, die sie in dieser Hinsicht zufrieden stellte. Gibt es zu viele Routinetätigkeiten, wird mir schnell langweilig, erzählt Anke Fuhrmann. Auch auf die Rolle der Mutter beschränkt zu sein, findet sie schwieriger als gedacht. Bereits nach einem Jahr Elternzeit streckt sie die Fühler aus, um beruflich wieder einzusteigen. Ich hätte gerne stundenweise bei meiner alten Arbeitgeberin gearbeitet, hatte aber keine Chance einen Teilzeitvertrag zu bekommen. Auch in anderen Unternehmen der Lebensmittelindustrie gab es keine entsprechenden Stellen. Die Branche ist sehr konservativ, berichtet die Ingenieurin. Schließlich begnügte ich mich daher mit einem Mini-Job als Obst- und Gemüse- sowie anschließend als Blumenverkäuferin. Da Anke Fuhrmann durch ihren Mann finanziell abgesichert ist, akzeptiert sie vorläufig diese Zwischenlösung.

Die Trennung wirbelte mein Leben durcheinander

Doch die Situation ändert sich: Als die Tochter zweieinhalb Jahre alt ist, trennt sich das Elternpaar. Das hat mein Leben kräftig durcheinander gewirbelt. Ich wollte die Trennung nicht und hatte Probleme, sie zu akzeptieren, erinnert sich Anke Fuhrmann. Auch unsere Tochter litt darunter, ihren Papa nur noch selten zu sehen. Ich habe sicherlich zwei bis drei Jahre benötigt, bis ich wieder das Gefühl hatte, unser Leben im Griff zu haben. Wir haben uns damals Unterstützung von Fachleuten geholt, um diese Krise gut zu meistern.

In dieser veränderten Situation bekommt der berufliche Wiedereinstieg eine neue Dringlichkeit. Ich war Anfang 40, wusste nicht, wie es beruflich weitergehen sollte, und hatte Existenzängste, erinnert sich Anke Fuhrmann. Wir lebten teilweise von Ersparnissen, denn mein Minijob reichte jetzt finanziell nicht mehr aus. Ihre Suche nach einer Teilzeitstelle gestaltet sich nach wie vor schwierig. Mein Selbstvertrauen war in dieser Phase völlig am Boden, erzählt sie.

Unterstützung bei "Perspektive Wiedereinstieg"

In dieser Situation wandte ich mich an die Beratungsstelle FRAU & BERUF, die mich an das Programm 'Perspektive Wiedereinstieg' in Lübeck vermittelte, sagt Anke Fuhrmann. Im Rahmen des Programms erhielt ich ein individuelles Coaching und die Möglichkeit, Workshops zu besuchen. Das war sehr wertvoll für mich. Durch die Kurse und den Austausch mit anderen beruflichen Wiedereinsteigerinnen und Wiedereinsteiger habe ich meine Qualifikationen wieder wahrgenommen und konnte erkennen, was ich alles ins Berufsleben einbringen kann. Ein entscheidender Impuls kommt aus einem Workshop. Er trägt den Titel: Will ich in meinen alten Beruf zurück?. Als ich reinging, war ich noch davon überzeugt, dass ich etwas anderes machen wollte. Als ich rauskam, stand fest: Ich will wieder als Lebensmittelingenieurin arbeiten. – Ich war platt! Ich hatte meine Prioritäten sortiert und mein Ziel war plötzlich ganz klar. Das war ein echtes Schlüsselerlebnis.

Netzwerk nutzen

Anke Fuhrmann nutzt ihre persönlichen Netzwerke, um von offenen Stellen zu erfahren. Ich berichtete allen, die ich kenne, von meinen beruflichen Plänen, erzählt sie. Auch ganz alte Kontakte ließ ich wieder aufleben. Bei Internetnetzwerken habe ich Profile angelegt und über diese Plattformen auch frühere Kolleginnen, Kollegen und Bekannte angeschrieben, von meinen beruflichen Plänen berichtet und um Hinweise gebeten. Das ist mir oftmals sehr schwer gefallen. Ich kam mir vor, wie eine Bittstellerin. Doch ihr Engagement zahlt sich aus. 

Wiedereinstieg als Sekretärin in Teilzeit

Zunächst bietet ihr ein Freund eine Sekretariatsstelle bei der Volkshochschule an. Ich sagte zu, weil ich mir diese Chance, wieder ins Berufsleben einzusteigen, nicht entgehen lassen wollte, sagt Anke Fuhrmann. Ich habe gleich gesagt, dass ich den Posten nicht auf Dauer übernehmen möchte, und habe mich nach fünf Monaten wieder als Ingenieurin beworben. Als Einstieg war die Stelle jedoch das Richtige für mich. Ich habe in dieser Zeit viel Sicherheit gewonnen.

Über ihre Kontakte erfährt Anke Fuhrmann von einer passenden Vollzeitstelle in der Lebensmittelindustrie. Ich habe mich – mit etwas Bauchschmerzen angesichts des Arbeitsumfangs – beworben, bin sogar in der Endausscheidung gelandet, habe den Posten aber letztendlich nicht bekommen, sagt sie.

Alte "Glaubenssätze" stehen im Weg

Ihr Ex-Mann lässt ihr die nächste passende Stellenausschreibung zukommen. Es ist die Stelle der Leiterin der beruflichen Schule, die Anke Fuhrmann früher selbst besucht hatte. Ich bewarb mich, wurde zum Vorstellungsgespräch eingeladen und erhielt die Zusage, erinnert sie sich. Prompt setzen die Zweifel ein: Wie kann ich einen Vollzeitjob mit meinen Aufgaben als Mutter vereinbaren? Bleibt da überhaupt noch Zeit für mich? Ist die Aufgabe nicht eine Nummer zu groß für mich? Sie umfasst schließlich neben der Leitung einer Schule mit Internat für 100 Schülerinnen und Schüler auch noch die Erteilung von berufspraktischem Unterricht. Ich habe abgesagt, berichtet Anke Fuhrmann. 

Eine Aufgabe zum Hineinwachsen

Doch ihr späterer Chef lässt nicht locker. Er rief nach einiger Zeit an und fragte, ob ich es mir nicht doch noch anders überlegen wolle. Anke Fuhrmann nimmt den Posten an: Schließlich bietet mir die Aufgabe genau das, was ich immer wollte: gestalten und entscheiden können. Andere trauen mir diese Position auch ohne weiteres zu. Innerlich bin ich aber oft sehr hasenfüßig. Ich habe einen sehr hohen Anspruch an mich und meine Leistungen erscheinen mir häufig nicht gut genug. Seit drei Monaten arbeitet sie nun als Schulleiterin und hat ihre Entscheidung nicht bereut – auch wenn sie sagt: An einigen Stellen muss ich in diese Aufgabe noch hineinwachsen.

Auch im Leben der Tochter ändert sich einiges

Für ihre Tochter hat sie einen Hortplatz in der Nähe der Grundschule bekommen. Dort fühlt sie sich sehr wohl, sagt Anke Fuhrmann. Ihren Hobbys, Handball und Tanzen, kann sie weiter nachgehen. Das Bringen und Abholen übernehmen jetzt Freundinnen oder auch mal mein Ex-Partner. Wenn das Kind krank ist, springt ihre Mutter bei der Betreuung ein oder Anke Fuhrmann nimmt es mit zur Arbeit. Als mich meine Tochter neulich fragte: ‚Mama, wie lange musst du da noch arbeiten?’, habe ich zuerst einen Schreck bekommen. Ich dachte, sie hätte vielleicht nicht verstanden, dass das jetzt so bleibt. Aber so war es gar nicht. Sie wollte nur sichergehen, dass ich möglichst lange dort bin, denn sie plane, sagte sie, nach ihrem Schulabschluss bei mir in der Berufsschule weiterzulernen, lacht Anke Fuhrmann. Das einzige, was ihre Tochter an der neuen Situation nicht so sehr schätze, sei, dass sie jetzt mehr im Haushalt helfen müsse. 

Tipp: professionelle Bewerbungsfotos lohnen sich

Für andere Stellensuchende hat Anke Fuhrmann noch einen Tipp: Ich habe sehr gute Bewerbungsfotos machen lassen, auf denen ich – das bestätigen alle – sehr authentisch wirke. Eine Fotografin hat sich dafür eine ganze Stunde Zeit genommen. In ein gutes Bild zu investieren, lohnt sich. Es kann ein Türöffner für eine Einladung zum Bewerbungsgespräch sein.

* Name von der Redaktion geändert

Weitere Informationen zum Berufsfeld „Lehre in beruflichen Schulen":

Lehrer/in - berufliche Schulen
Informationen auf BERUFENET der Bundesagentur für Arbeit

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Foto: Sergey Nivens - Fotolia.com

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