Angelika Bungert-Stüttgen (43)

Angelika Bungert-Stüttgen ist verheiratet und hat zwei Kinder (Tochter, 13 Jahre, und ein Sohn, zehn Jahre). Die 43-Jährige lebt in München und hat nach der Familienphase den Sprung in die Selbstständigkeit gewagt. Die Familiensituation spielte eine Rolle, aber auch der Grund, dass sie sich in der Männerdomäne Architektur nicht mehr wohl fühlte.

Poträtbild Angelika Bungert-Stüttgen

Ich hatte keine Lust mehr, mich mit einem Chef herumzuschlagen, der der Meinung war, ich hätte meine fachlich Kompetenz an der Kreißsaaltür abgegeben, und der mir keinen Teilzeitjob anbieten wollte, erzählt sie. Und auch auf die üblen Situationen, die sie auf Baustellen erlebt hat, kann sie verzichten: Ich musste mir nichts mehr beweisen und den Bauarbeitern, die sich nix von einer schwangeren Bauleiterin vorschreiben lassen wollten, schon gar nicht." Ohne Netz und doppelten Boden, in ihrem Fall ohne Abfindung, wagte sie 2001 die berufliche Neuorientierung.

Das tat Angelika Bungert-Stüttgen nicht ganz alleine. Ein Coaching half ihr dabei, den Kopf aufzuräumen und ihre Marktnische herauszuarbeiten. Anfangs wollte ich meine beiden Leidenschaften Innenarchitektur und Kochen verbinden, erinnert sie sich. Aber wir haben schnell aufgedröselt, dass Räume gestalten meine große Leidenschaft ist. Ich bringe Kreativität mit, einen klaren Blick für Räume, die Fähigkeit zu schnellen perspektivischen Skizzen und nicht zuletzt ein Gespür für Menschen. Aus diesen Eigenschaften entwickelte die Wahl-Münchenerin die Idee, eine persönlich abgestimmte Innenarchitektur anzubieten. Sie besucht die Kunden zu Hause Privatleute bislang, in Zukunft hoffentlich auch Unternehmen, und verlässt sich auf ihre Intuition, wenn es darum geht, die Räume neu zu gestalten, sie den Bedürfnissen ihrer Bewohner anzupassen. Das ist eine sehr intime Arbeit, beschreibt Angelika Bungert-Stüttgen. Ich schaue unters Bett, öffne Schranktüren. Raum-Harmonisierung nennt sie das, was sie tut. 

Nicht nur die Räume bekommen eine Portion Harmonie. Die Freiheit, mir meine Zeit einzuteilen zu können, ermöglicht die Balance zwischen Familie und Beruf, sagt die Innenarchitektin. Denn die Familie beansprucht einen großen Teil ihrer Energie. Da ist zum einen die schwerbehinderte Tochter, die wesentlich mehr Zuwendung und Betreuung braucht, als der kleinere Bruder. Das Mädchen lernt wesentlich langsamer als andere Kinder, wie die Mutter an einem Alltagsbeispiel schildert: Es hat jahrelang gedauert, bis sie die Uhr lesen konnte. Oder ein anderes Beispiel: Meinem Sohn habe ich fünf Mal gezeigt, wie man eine Karotte schält, dann konnte er es. Bei meiner Tochter brauchte es, schätze ich, 5000 Wiederholungen. Das Mädchen hat große Lerndefizite, gleichwohl hat Familie Bungert-Stüttgen es geschafft, dass sie ziemlich gut klar kommt in ihrem Leben, zum Beispiel alleine U-Bahn fährt.

Als sei damals das Familienmanagement nicht schon fordernd genug, kam 1998 eine weitere schwere Belastung hinzu: Kurz nach der Geburt des Sohnes musste Angelika Bungert-Stüttgen ihrem Mann während einer schweren Krebserkrankung beistehen. Diese Mega-Chemotherapie hat nicht nur ihn, sie hat die ganze Familie in ihren Grundfesten erschüttert, sagt die 43-Jährige. Bis heute haben wir uns nicht davon erholt. Ich würde sagen, wir haben bis heute noch nicht unsere hundertprozentige Lebenskraft wiedergefunden.

In ihrer Arbeit sieht Angelika Bungert-Stüttgen auch die Chance, mir mein Leben wieder zurück zu holen und Dinge zu tun, die meinem Potenzial entsprechen. In der Startberatung für ihre Kundinnen und Kunden gibt sie Ideen und Impulse für neue Raumgestaltung, verschiebt tatkräftig Möbel und visualisiert ihre Vorschläge mit schnellen Skizzen. Im Dialog mit den Kunden klärt sie wichtige Fragen: Wie wollen meine Kunden wohnen? Was fehlt in den Räumen? Welche Änderungswünsche bestehen?

Diese konzentrierte Auseinandersetzung mit den Kundinnen und Kunden führt dazu, dass Angelika Bungert-Stüttgen noch eine weitere Geschäftsidee entwickelte: Sie verstärkte den künstlerischen Aspekt. Sie selbst malt individualisierte Bilder für Räume in denen ein Bild fehlt und sie ermutigt Menschen, ihre eigenen Bilder zu malen.

Sechs Jahre ist die 43-Jährige jetzt ihre eigene Chefin, hat Hochs und Tief kennen- und aushalten gelernt. Natürlich gab es Tage, da wollte ich den ganzen Kram hinschmeißen, erzählt Angelika Bungert-Stüttgen. Aber zum Glück passierte dann doch immer wieder etwas Interessantes und ich bin fest entschlossen, durchzuhalten.

Link:

www.innenraumberatung.de
Kontakt zu Angelika Bungert-Stüttgen

Weitere Informationen zum Berufsfeld:

Innenarchitektur
Informationen auf BERUFENET der Bundesagentur für Arbeit

Assistent/in – Innenarchitektur
Informationen auf BERUFENET der Bundesagentur für Arbeit

Einrichtungsfachberater/in
Informationen auf BERUFENET der Bundesagentur für Arbeit

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