Agnes Kalbe (38)

Raus aus dem Minijob, rein in eine Vollzeitstelle: Das war der Traum der gelernten Molkereifacharbeiterin Agnes Kalbe. Die Umsetzung gelang nach Beratung und Coaching bei „Perspektive Wiedereinstieg“ in Schwerin und mit der Einsicht, dass ein beruflicher Wiedereinstieg ein Familienprojekt ist.

Foto: Agnes Kalbe

Beruf und Familie irgendwie unter einen Hut zu bekommen, sei alleine meine Sache, habe ich immer gedacht. Meinem Freund wollte ich diesbezüglich den Rücken freihalten, berichtet Agnes Kalbe. Sie lebt in einer Patchwork-Familie. Ich selbst habe zwei elf und achtzehn Jahre alte Töchter, mein Partner eine zehnjährige Tochter und einen 19-jährigen Sohn, berichtet sie. Die zwei älteren Kinder sind inzwischen bereits aus dem Haus.

Das Berufsleben von Agnes Kalbe ist von Wechselfällen geprägt: Ich bin gelernte Molkereifacharbeiterin, berichtet sie. Nach der Wende schlossen aber die beiden Molkereien hier in der Gegend. Ich war arbeitslos und musste mich beruflich neu orientieren. In der Großküche einer Klinik fand sie schließlich eine Anstellung, die ihr sehr gut gefiel und blieb dort 13 Jahre. Gemeinsam mit ihrem damaligen Mann konnte sie ihre Vollzeit-Erwerbstätigkeit und die Familienarbeit gut vereinbaren. Ich dachte, das geht so weiter bis zur Rente, sagt sie. Doch dann entstand ein Klinik-Zentrum, die Küchenarbeit wurde neu organisiert und der Dienstleister wechselte. Dadurch konnte ich bei meinem Arbeitgeber nicht bleiben und wurde erneut arbeitslos.

Nach der Trennung in die Teilzeitarbeit

2007 trennte ich mich von meinem Mann. Eine Vollzeitstelle konnte ich als alleinerziehende Mutter organisatorisch nicht mehr stemmen, berichtet sie. Ich habe es in einem kurzen Praktikum ausprobiert. In der Zeit waren meine Kinder die ganze Woche bei den Großeltern. Ich habe sie nur am Wochenende gesehen. Auf die Dauer geht so etwas nicht. Agnes Kalbe entschied sich für eine reduzierte Berufstätigkeit und war in verschiedenen Teilzeit- und Minijobs tätig. Doch der geringe Verdienst reichte nicht für den Unterhalt der Familie und sie musste aufstocken. Seit 2011 lebt sie mit ihrem neuen Partner zusammen. Rechtlich wird das als Bedarfsgemeinschaft bezeichnet und es wurden auch seine Bezüge bei der Ermittlung meines Aufstockungsbetrags einbezogen, erinnert sie sich. Die Situation machte mich unzufrieden. Ich konnte mir aber auch schlecht vorstellen, eine umfangreichere Berufstätigkeit mit meinen Familienaufgaben zu vereinbaren - zumal unsere beiden jüngeren Kinder unter chronischen Erkrankungen leiden.

Beratung verändert die Perspektive

Sie ließ sich im Jobcenter beraten und erhielt dort den Hinweis auf das Aktionsprogramm „Perspektive Wiedereinstieg“, das einen Modellstandort in Schwerin hat. Die IMBSE GmbH berät und begleitet dort berufliche Wiedereinsteigerinnen und Wiedereinsteiger. Durch die Beratung bei IMBSE habe ich meine Einstellung geändert. Ich habe gelernt, dass mein Wiedereinstieg in die Vollzeitberufstätigkeit ein Projekt für die ganze Familie ist, sagt sie. „Ich war dann überrascht, dass mein Partner und unsere Kinder sofort ihre Unterstützung zugesagt haben.“

Erste Bewerbungen bereits erfolgreich

Mit Hilfe der Beraterinnen optimierte Agnes Kalbe dann ihre Bewerbungsunterlagen und übte Bewerbungsgespräche. Ich dachte immer mein Abschluss als Molkereifacharbeiterin interessiere heute niemanden mehr, berichtet sie. Ein solcher Abschluss qualifiziere auch für andere Bereiche der Lebensmittelindustrie, informierten sie die Beraterinnen. Das machte mich, wie ich merkte, zu einer gefragten Fachkraft, erklärt sie stolz. Ich bewarb mich bei zwei Süßwarenherstellern hier in der Region und bekam von beiden eine Einladung zum Vorstellungsgespräch. Bereits der erste Termin war erfolgreich: Am Ende des Gesprächs hieß es gleich: ‚Sie können hier anfangen.’

Schichtbetrieb in der Produktion

Seit einem dreiviertel Jahr ist Agnes Kalbe jetzt in Vollzeit tätig. Die Produktion bei dem Süßwarenhersteller läuft von montags bis freitags rund um die Uhr. Sie arbeitet daher im Schichtdienst: eine Woche Nachtschicht von 22.00 bis 6.00 Uhr, eine Woche Spätschicht von 14.00 bis 22.00 Uhr und eine Woche Frühschicht von 6.00 bis 14.00 Uhr. Das sei zunächst gewöhnungsbedürftig gewesen, sagt sie. Zwischendurch hatte ihr Arbeitgeber zudem eine wirtschaftlich schwierige Phase zu verkraften und Agnes Kalbe fürchtete um ihren neuen Arbeitsplatz. Ich hatte Glück und es ging gut, sagt sie. Inzwischen hat sich alles hervorragend eingespielt. Ich stehe endlich finanziell wieder auf eigenen Füßen und fühle mich rundum wohl damit. Ihr gutes Beispiele machte zwei ehemaligen Kolleginnen, die auch im Mini-Job arbeiteten, Mut, sich um sozialversicherungspflichtige Stellen zu bemühen. Sie waren ebenfalls erfolgreich.  

Die Familie hält zusammen

Auf die Unterstützung ihrer Familie kann sie bauen. Mein Partner übernimmt zum Beispiel Arzttermine mit den Kindern, meine Schwiegermutter kommt in den Nachtschichtwochen zu uns und die Kinder helfen tatkräftig im Haushalt mit. Auch meine Mutter wohnt in der Nähe und springt ein, wenn Unterstützungsbedarf ist, berichtet Agnes Kalbe. Wir haben unser Leben als Familie umorganisiert und es funktioniert wunderbar so.

Link:

„Perspektive Wiedereinstieg“ Modellstandort Schwerin, IMBSE GmbH
Website

Weitere Informationen zum Berufsfeld:

Nährmittelhersteller/in
Informationen auf BERUFENET der Bundesagentur für Arbeit

Helfer/in - Lebensmittelherstellung
Informationen auf BERUFENET der Bundesagentur für Arbeit

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Foto: Agnes Kalbe

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