„Perspektive Wiedereinstieg“ war ein Glück für meine berufliche Entwicklung

Andreea Haidu (33), gebürtige Rumänin, ist Finanzanalystin und Mutter eines fünfjährigen Sohnes. 2011 entschied sie sich, nach Deutschland zu kommen. Frau Haidu ist sehr gut ausgebildet und spricht verschiedene Fremdsprachen. Doch Frau Haidu merkt schnell, dass ihre umfassenden Sprachkenntnisse allein nicht ausreichen, um sich als Finanzfachkraft auf dem deutschen Arbeitsmarkt behaupten zu können. Somit fängt ihr beruflicher Weg in Deutschland damit an, die deutsche Sprache zu erlernen. Heute arbeitet Frau Haidu als Finanzbuchhalterin/Controllerin in einer unbefristeten Anstellung.

Foto: Portrait Andreea Haidu

perspektive-wiedereinstieg.de: Über welche Ausbildung verfügen Sie und welchen Beruf haben Sie vor Ihrer Familienphase ausgeübt?

Andreea Haidu: Ich habe verschiedene Masterabschlüsse in Rumänien und Frankreich abgeschlossen, den Master of Science „Finanzen, Banken und Kapitalmärkte“ sowie „Ökonometrie und angewandte Statistik“, in Rumänien und „Finanzierungstechnik und Finanzmärkte“ in Frankreich. In Frankreich war ich anschließend als Finanzanalystin bei einer großen Bank beschäftigt.

perspektive-wiedereinstieg.de: Wann und mit welchen beruflichen Zielen sind Sie nach Deutschland gekommen?

Andreea Haidu: Ich bin 2011 nach Chemnitz gekommen. Mein Mann studierte hier und wir wollten nicht länger eine Fernbeziehung führen. Ich hätte natürlich gern gleich wieder einen Job in der Finanzbranche angenommen, allerdings musste ich schnell feststellen, dass ich mit ausschließlich englischen, französischen und rumänischen Sprachkenntnissen keine Anstellung finden würde. Mit anderen Worten: meine fehlenden Deutschkenntnisse stellten ein großes Hindernis dar, um auf dem Arbeitsmarkt Fuß zu fassen. Also investierte ich insgesamt drei Jahre, um die deutsche Sprache zu erlernen. Ich habe mich zwar während dieser Zeit arbeitssuchend gemeldet, konnte aber trotz oder gerade wegen meiner guten Ausbildung keine Anstellung finden. 2014 wurde dann mein Sohn Sebastian geboren, ein wunderbares Ereignis. Bis Ende 2016 war ich in Elternzeit.

perspektive-wiedereinstieg.de: Wie ist die Entscheidung zustande gekommen, beruflich wiedereinzusteigen?

Andreea Haidu: 2015 sind wir nach Jena gezogen. Mein Mann hatte hier eine neue Arbeitsstelle angenommen. Für mich stand fest, dass ich unbedingt wieder berufstätig sein möchte. Ich habe viele Jahre in mein Studium und in meine Weiterentwicklung investiert. Jetzt nach der Elternzeit wollte ich mich wieder auf meinen beruflichen Weg konzentrieren. Einen Betreuungsplatz für unseren Sohn hatten wir gefunden, so stand meinem beruflichen Wiedereinstieg nichts mehr im Wege.

perspektive-wiedereinstieg.de: Wie haben Sie die Zeit des beruflichen Wiedereinstiegs persönlich empfunden, gab es Hürden, die zu nehmen waren und wie haben Sie diese gelöst?

Andrea Haidu: Mein beruflicher Neuanfang in Deutschland war nicht leicht. Es gab Hürden beim Erlernen der neuen Sprache, mit den Bewerbungsunterlagen und den Behörden, die nicht immer offen waren, mich bei der Anpassung an den deutschen Arbeitsmarkt zu unterstützen. Doch Aufgeben kam für mich nie in Frage. Ich habe nach neuen Wegen gesucht, um weiter zu kommen, und glücklicherweise hat "Perspektive Wiedereinstieg"-Jena meinen Weg gekreuzt.

perspektive-wiedereinstieg.de: Wie sind Sie auf das Projekt „Perspektive Wiedereinstieg“ in Jena aufmerksam geworden?

Andreea Haidu: Ich habe mich bei der Agentur für Arbeit arbeitsuchend gemeldet, dort lag ein Flyer von „Perspektive Wiedereinstieg“-Jena aus. Ich las, dass das Beratungsangebot sich an Frauen und Männer mit abgeschlossener Ausbildung und/oder Studium richtet, die nach einer Familien- oder Pflegephase über den Wiedereinstieg in den Arbeitsalltag nachdenken oder diesen bereits konkret planen. Das passte genau zu meiner aktuellen Situation. Ich nahm sofort Kontakt zu dem Projekt auf und wurde zum nächsten Workshop eingeladen. Auch heute freue ich mich noch über diesen glücklichen Zufall und meine Entscheidung, mich dort zu bewerben.

perspektive-wiedereinstieg.de: Welche Unterstützung haben Sie bei „Perspektive Wiedereinstieg“ in Anspruch genommen?

Andreea Haidu: Während meiner Zeit bei "Perspektive Wiedereinstieg"-Jena habe ich an Workshops zu Themen wie Zeitmanagement, Teamarbeit und am Bewerbungscoaching teilgenommen. In Bezug auf meine berufliche und persönliche Entwicklung war das Bewerbungscoaching für mich von besonderer Bedeutung. Meine Bewerbungsunterlagen brauchten eine passgenaue und ansprechende Gestaltung. Es war eine große Hilfe für mich, in diesem Prozess Unterstützung zu erhalten. Insgesamt haben mir die Workshops neue Perspektiven eröffnet. Im Kontakt mit anderen Menschen, Erfahrungen zu teilen und auch neue Vorschläge zu erhalten oder zu erarbeiten, war sehr motivierend für mich.

Besonders wichtig war es für mich, dass meine Beraterin mich zu einem Termin bei der Agentur für Arbeit begleitet hat. Gemeinsam haben wir überlegt, welche Möglichkeiten bestehen, um meinen beruflichen Wiedereinstieg voranzutreiben. Die Agentur für Arbeit hat mich z. B. unterstützt, meine Ausbildungsabschlüsse in Deutschland anerkennen zu lassen. Des Weiteren kam es zu der Überlegung, ob mir ein Praktikum in einem Unternehmen im Wiedereinstiegsprozess helfen könnte. Die Zusammenarbeit zwischen der Agentur für Arbeit und "Perspektive Wiedereinstieg"-Jena hat mir geholfen, mein Selbstvertrauen zu steigern. Ich hatte das Gefühl, dass sich neue Wege für mich eröffnen.

perspektive-wiedereinstieg.de: Waren Weiterbildungen nötig, um auf dem Arbeitsmarkt Fuß zu fassen?

Andreea Haidu: Im Coaching haben wir kontinuierlich nach passgenauen Weiterbildungsmöglichkeiten gesucht, um meine fachliche Qualifikationen an den deutschen Arbeitsmarkt anzupassen. Ich habe einen Aufbaukurs in Betriebswirtschaftslehre die Weiterbildung „SAP ERP FI Finanzbuchhaltung“ erfolgreich absolviert.

perspektive-wiedereinstieg.de: Wie sind Sie zu Ihrer neuen Stelle gekommen?

Andreea Haidu: Durch ein dreimonatiges Praktikum hatte ich die Gelegenheit, meine Fähigkeiten und Kenntnisse in verschiedenen Alltags-Herausforderungen unter Beweis zu stellen. Seit Januar 2017 bin ich in diesem Unternehmen als Finanzbuchhalterin/Controllerin unbefristet angestellt. Als Leiterin der Buchhaltung bin ich für die korrekte Führung der Bücher verantwortlich, aber nicht nur, sondern auch für Controlling, Buchung der Geschäftsvorfälle, Mahnverfahren, Umsatzsteuervoranmeldungen, Monatsabschlüsse etc. All diese verschiedenen Aufgaben sind für die Kostenanalysen und/oder Plan-Ist-Abweichungsanalysen sehr wichtig, die inzwischen ebenfalls zu meinem Aufgabenbereich gehören.

perspektive-wiedereinstieg.de: Wie fühlen Sie sich im neuen Job?

Andreea Haidu: Der Job gibt mir ein Anerkennungs- und Zugehörigkeitsgefühl und das bringt Zufriedenheit in mein privates und berufliches Leben. Ich versuche immer neue Wege zu gehen, um so Motivation und Freude in meinen Arbeitsalltag zu bringen und diese Freude hoffe ich auch, an andere weitergeben zu können.

perspektive-wiedereinstieg.de: Helfen Ihnen neu erworbene Fähigkeiten, die Sie in Ihrer Familienphase erlernt haben, auch im Berufsleben?

Andreea Haidu: Alle Kompetenzen, die wir erlernen, sind in unseren Leben verwertbar. Wichtig ist es, sie zu nutzen und davon zu profitieren. Sehr wichtig finde ich das Thema Sprache, nicht nur die Worte, sondern die Metakommunikation. In meinen Arbeitsalltag muss ich mit verschiedenen Personengruppen kommunizieren. Da ist es wichtig, den Austausch so klar wie möglich zu halten. Manche Menschen brauchen Beispiele, andere eine kurze Mitteilung, andere ein Lächeln. Für Kinder und Erwachsene ist es gleichermaßen wichtig, ungeteilte Aufmerksamkeit zu erhalten.

perspektive-wiedereinstieg.de: Lässt sich Ihr neuer Job gut mit den Familienaufgaben vereinen?

Andreea Haidu: Es gibt eine gute Funktionalität zwischen Job und Familie, aber wie alles im Leben ist nichts perfekt. Da ich neun Stunden täglich arbeite und nur die restliche Zeit für die Familie habe, ist die Balance nicht immer ausgeglichen. Doch ich weiß, falls es notwendig ist, werde ich in der Lage sein, entsprechende Veränderungen einzuleiten. Was am Ende für mich zählt, ist glücklich zu sein und das kann ich für mich und meine Familie sagen.

perspektive-wiedereinstieg.de: Welche Ziele haben Sie sich für Ihre (berufliche) Zukunft gesteckt?

Andreea Haidu: Ich möchte weiter arbeiten, mich weiterbilden und weiter mit anderen zusammen arbeiten, viel schaffen und weiter glücklich sein. Ganz konkret wäre eine bessere Bezahlung prima und sicher könnte ich meine Work-Life-Balance optimieren. Gerne würde ich meine Führungsqualitäten und -fähigkeiten ausbauen, sodass ich vielleicht irgendwann ein eigenes Unternehmen gründen kann.

perspektive-wiedereinstieg.de: Möchten Sie noch etwas anmerken?

Andreea Haidu: Ich möchte diese Gelegenheit nutzen, allen von Team „Perspektive Wiedereinstieg“-Jena für ihre professionelle Unterstützung, Aufmerksamkeit, Freundschaft und ihre immer lächelnden Gesichter zu danken. Auch meiner Familie, meinen Vorgesetzten, Kolleginnen und Kollegen sowie dem Redaktionsteam „Perspektive Wiedereinstieg“ möchte ich ein herzliches Dankeschön aussprechen.

Hintergrund

Das Projekt "Perspektive Wiedereinstieg"-Jena wird im Rahmen des ESF-Bundesprogramms "Perspektive Wiedereinstieg - Potenziale erschließen" durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend und den Europäischen Sozialfonds gefördert. Dieses ESF-Programm wird in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit im Rahmen des Aktionsprogramms "Perspektive Wiedereinstieg" umgesetzt. 

Links:

"Perspektive Wiedereinstieg"-Jena

BMFSFJ – Wiedereinstiegsrechner

perspektive-wiedereinstieg.de

ESF-Standorte

Galerie Erfolgsgeschichten

Galerie Gründungsgeschichten

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© Foto: Event Foto Jena

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