Heike Güßbacher (41)

Zeitreisen mit Oldtimer-Wohnwagen

Foto: Heike Güßbacher

Traum vom Wunsch-Oldtimer-Wohnwagen wird wahr

Eriba Puck – es war Liebe auf den ersten Blick. Ich entdeckte ihn in einer Oldtimer-Ausstellung, war verzaubert und dachte, so einen muss ich haben. Sofort kam mir die Idee, dass sich so ein Schmuckstück sicherlich auch gut für besondere Urlaube vermieten lässt, erinnert sich Heike Güßbacher, gelernte Beamtin der Sozialverwaltung. Ihr Ehemann erhob den berechtigten Einwand, dass "der Kleine" nicht ausreichend Platz für die fünfköpfige Familie bot. Zudem sind diese Oldtimer eher selten und daher im Original kaum zu erhalten – wenn doch, dann in einem schlechten Zustand oder sehr teuer. So erwarb sie ein familientaugliches Modell, einen Constructam Comet 1970. Damit legte sie den Grundstein für die gewerbliche Vermietung von Oldtimer-Wohnwagen.

Ich hatte meinen Traum von einem ‚Pucki‘ trotz europaweiter Suche schon fast aufgegeben. Bis im Januar 2016 kurz vor einem einwöchigen Familienurlaub auf dem Weg zum Flughafen ein Anruf kam. Mir wurde ein ‚Pucki‘ zum Kauf angeboten, das war für mich ein Wink des Schicksals. Ich traf mich sofort nach meiner Rückkehr mit dem Verkäufer. Das Beste – der Oldtimer stand 20 Jahre nur 50 Kilometer von meinem Wohnort entfernt in einer Garage. Ich kaufte meinen ‚Pucki‘ zu einem guten Preis, sagt sie voller Tatendrang.

Böses Erwachen: Versicherungsschutz und Finanzierung hemmen Gründungspläne

Die Restauration eines Oldtimer-Wohnwagens ist sehr aufwändig und dauert in der Regel ein halbes Jahr, erklärt Heike Güßbacher. Ich wollte meine Existenzgründung unbedingt aus eigenen Kräften schaffen, ohne mich von meinem Mann finanzieren zu lassen. Deshalb bereitete ich eine Crowdfunding*-Kampagne vor, um die Restaurierungskosten stemmen zu können. Doch die für das Frühjahr 2016 geplante Kampagne musste sie unfreiwilliger Weise verschieben, denn es tauchte ein formales Hindernis auf.

Ich bin davon ausgegangen, dass es einfach ist, die Oldtimer-Wohnwagen mit einer Haftpflicht- und Kaskoversicherung auszustatten, berichtet sie. Doch die gewerbliche Vermietung von Wohnwagen und die damit verbundene komplizierte Rechtslage im eventuellen Schadensfall machte das Abschließen einer Versicherung nahezu aussichtslos. Heike Güßbacher schrieb mehr als 50 Versicherungsgesellschaften an und wandte sich auch verzweifelt an Vertreterinnen und Vertreter aus Politik und Verwaltung. Schließlich fand sich eine Versicherung, die das Vorhaben exklusiv absichert. Ich bin so glücklich, dass meine Geschäftsidee nicht an einer Formalie scheitern musste, so die Unternehmerin. Allerdings geriet mein Zeitplan so in Verzug, dass ich meine sehr gut vorbereitete Crowdfunding-Kampagne erst in den Sommerferien starten konnte. Das notwendige Kapital kam nicht zustande, so dass ich auf das Angebot meines Mannes zurückkommen musste. Im Rahmen eines Darlehensvertrags habe ich mir Geld von ihm geliehen. Meine Schulden werde ich selbstverständlich fristgerecht mit selbstverdientem Geld begleichen.

Durch gute Vernetzung zum Erfolg

Die gescheiterte Crowdfunding-Kampagne hatte auch sehr viel Gutes, erzählt Heike Güßbacher. Das erfuhr die Gründerin erstmals im Rahmen der Summer School. In dem zweiwöchigen Intensivseminar waren die Teilnehmerinnen gefordert, ihre Geschäftsidee aus verschiedenen Perspektiven kritisch zu hinterfragen, auf Kennzahlen hin zu überprüfen und die Mitbewerberinnen bzw. Mitbewerber in den Blick zu nehmen. Als es um das Thema Marketing ging, gab die Dozentin die jeweilige Geschäftsidee in eine Online-Suchmaschine ein und konnte so den meisten von uns zeigen, wie viele andere sich in dem Marktsegment tummelten, erklärt sie. Anders war es in meinem Fall. Die erste Seite der Suchergebnisse enthielt ausschließlich die Einträge zu meiner Crowdfunding-Kampagne. Durch das Crowdfunding ist meine Website im Internet nachhaltig sehr gut auffindbar.

Gleichzeitig bin ich aber auch in der realen Welt sehr gut vernetzt. Sei es in der europäischen Oldtimer-Wohnwagen-Szene, in regionalen Netzwerken oder im täglichen Leben – ich erzähle allen, die es hören wollen oder nicht, mit welcher Geschäftsidee ich mich selbstständig gemacht habe. Diese gute Vernetzung hat mich beispielsweise zur Summer School gebracht und sicherlich auch dazu beigetragen, dass mein Unternehmen inzwischen große Aufmerksamkeit bekommt, sagt Heike Güßbacher. Ihre Geschichte ist mehrfach in der lokalen Presse und in einem Szene-Magazin erschienen. Sie konnte ihr Unternehmen auf einer renommierten Oldtimer-Veranstaltung vorstellen. Auf Empfehlung von Netzwerkpartnern ergab sich die Chance, ein drittes seltenes Oldtimer-Wohnwagen-Modell zu erwerben. Der erstgekaufte Constructam Comet ist bereits bis zum 31.08.2017 ausgebucht und wird unter anderem als Präsentationsfläche für Produkte auf Veranstaltungen sowie Messen genutzt. Ich kann sagen, es läuft, freut sich die Unternehmerin.

Unterstützung im Haushalt annehmen

Ganz am Anfang hat mein Mann meine Geschäftsidee ein wenig belächelt. Als ich ihm von meinem super Gefühl nach dem Bewerbungsinterview für die Summer School erzählte und ich dann auch genommen wurde, ist ihm anders geworden. Er kam etwas ins Schwitzen, erinnert sich Heike Güßbacher lachend. Schließlich bedeuteten die zwei Wochen Seminar, dass sich ihr Mann zum ersten Mal ohne ihre Unterstützung um die drei Kinder von morgens bis in die Nacht kümmern musste. Ich habe ihm gefühlt 100 Listen geschrieben und alles ‚papa-gerecht‘ vorbereitet, sagt sie. Ich war völlig fertig einen Tag vor der Summer School und fragte mich, ob sich dieser Mordsaufwand wohl lohnen wird. Rückblickend muss ich sagen, dass es noch 1.000 Mal besser war.

Seit ihrer Gründung unterstützt ihr Mann sie sehr. Er hat gemerkt, dass ich todunglücklich wäre, wenn ich mein Geschäftsvorhaben nicht weiterverfolgen könnte. Er steht voll hinter mir, berichtet Heike Güßbacher. Seit ein paar Monaten kommt ein- bis zweimal pro Woche eine Haushaltshilfe und bringt Entlastung. Zuerst dachte ich, das hat etwas von Scheitern, dass ich Beruf, Haushalt und Familie nicht mehr alleine bewältigen kann, bekennt die dreifache Mutter. Aber ich habe entschieden, dass ich lieber selbst Geld verdienen will. Dadurch entsteht mehr Spaß in meinem Leben. Ich kann professionelle Unterstützung im Haushalt nur empfehlen.


* Crowdfunding ist derzeit eine häufig genutzte Methode, um Projekte, Produkte oder Startups zu finanzieren. Die Organisation von Crowdfunding-Kampagnen findet häufig über das Internet statt. Die Initiatoren einer solchen Kampagne möchten erreichen, dass möglichst viele Menschen ihre Idee finanziell unterstützen, so dass eine Umsetzung möglich wird. Zu Beginn einer Kampagne werden eine Mindestsumme und ein Zeitpunkt festgelegt, bis wann das Finanzierungsziel erreicht werden soll. Selbst wenn das Ziel nicht erreicht wird, bringt eine solche Kampagne oft einen großen Marketing-Effekt.

Links:

Vintage-Caravan.de
Website

Pucki’s Reise zur Restaurierung beginnt
YouTube-Video

perspektive-wiedereinstieg.de:

Beiträge Summer School:

Erfahrungen und Hintergrundinformationen

Gründungsgeschichten

 

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