"Ich bin viel besser, als mir bewusst war!" - Summer School-Teilnehmerin Sabine Michaela Muhl berichtet

Beruflicher Wiedereinstieg als Unternehmerin? 13 Frauen nahmen die Chance wahr, an der Summer School 2017 in Brandenburg an der Havel teilzunehmen. Sie brachten spannende Geschäftsideen, viel Leidenschaft und den Mut, ein eigenes Start-up-Unternehmen zu gründen, mit. Und natürlich auch viele Fragen: Ist meine Geschäftsidee erfolgsversprechend? Welche Risiken muss ich bedenken? Wie kann ich mich langfristig am Markt positionieren? Welche persönlichen Kompetenzen sollte ich erwerben? Perspektive-wiedereinstieg.de stellt in einer Reihe einige der Teilnehmerinnen, ihre Geschäftsideen und Erkenntnisse vor.

Sabine Michaela Muhl

Ein Verlag für „Leichte Sprache“

Sabine Michaela Muhl (47), Mutter von drei Kindern im Alter zwischen 9 und 18 Jahren, Literatur- und Medienwissenschaftlerin, Referentin für Öffentlichkeitsarbeit, zertifizierte Übersetzerin für Leichte Sprache, Verlegerin. Ihre Pflege- und Sorgearbeit dauert an:

Zitat Sabine Michaela Muhl

„Seit Ende 2012 (betriebsbedingte Kündigung meiner Vollzeit-Stelle) war ich ausschließlich in prekären Arbeitsverhältnissen beschäftigt bzw. im Ehrenamt tätig, von einer kurzen Teilzeit-Phase 2017 abgesehen. Aktuell engagiere ich mich bei Unicef, dem Landesbetrieb für Erziehung und Beratung, als Schöffin beim Landgericht und als Pressefrau bei den BücherFrauen. Meiner Meinung nach fehlen in Deutschland familienfreundliche Arbeitsmodelle mit flexiblen Arbeitszeiten. Auch der Anwesenheitswahn macht es für Mütter/Eltern auf dem Arbeitsmarkt schwer. Mich selbstständig zu machen, erschien mir als die beste Möglichkeit, meine Fähigkeiten einzusetzen. Auf Twitter (@20inklusion16) erfuhr ich von der Summer School, bewarb mich und nahm an zwei sehr intensiven Seminarwochen teil.

Besser als gedacht!

Die Fremdwahrnehmung der Expertinnen und Experten ist für mich zur Ergänzung bzw. Bestätigung der Eigenwahrnehmung sehr hilfreich gewesen. Ich bin oft zu kritisch mit mir selbst. Daher waren vor allem das positive Bestärken und das gegenseitige Stützen sehr wohltuend und nährend für mich. Ich fand es beeindruckend, wie schnell aus einer Gruppe sehr heterogener und zuvor völlig fremder Frauen ein wertschätzendes und sich gegenseitig helfendes Team geworden ist. Durch den Austausch habe ich begriffen: Ich bin viel besser, als mir bewusst war. Ich bin mutiger geworden und gehe offensiver auf andere zu. Ich habe viel zu bieten. Da war ich bisher eher zögerlich.

Fehler dürfen sein

Auf fachlicher Ebene hat mich das Kommunikationsseminar am meisten überzeugt. Meine persönliche Herausforderung war es, meine Geschäftsidee vor fremden Menschen in der realen Pitch-Situation im "Haifischbecken" zu präsentieren. Egal wie gut man informiert ist, man macht immer Fehler. Auch Zweifel müssen sein. Es ist allerdings ganz wichtig, sich den Staub abzuklopfen und nicht an Energievampiren hängenzubleiben. Mein Lieblingsmantra ist in diesen Fällen: “Ich habe nicht versagt. Ich habe nur 10.000 Wege gefunden, wie es nicht funktioniert“ (Edison). Aber irgendwann hatte auch er Erfolg und wir die Glühbirne. Motivation und Durchhaltevermögen sind die Basis, auf der ich meine Geschäftsidee weiterentwickeln kann. Ich habe eine Vision, für die ich kämpfe.

Portfolio erweitert

Ich fand es gut, ein kritisches und impulsgebendes Feedback von den Expertinnen und Experten der Summer School zu erhalten. Ich habe daraufhin mein Konzept überarbeitet und das Portfolio meines Verlages erweitert. Von klassischen Verlagsproduktionen ausgehend - Bücher in jeder Form – werde ich auch digitale Anwendungen in den Fokus nehmen, wie zum Beispiel Gamification, duale Ausbildung und Online-Plattformen. Ich möchte mit Lehrkräften, Arbeitgeberverbänden und Entwicklern, bzw. Entwicklerinnen kooperieren, um nachhaltig verbesserte didaktische Materialien zu entwickeln. Dafür ist es gerade jetzt in der Gründungsphase überlebenswichtig, sich mit IT-Fachleuten sowie anderen Start-Ups zu vernetzen. Das Leben ist insgesamt zu komplex geworden, als dass man sich jede Information selbst erschließen kann, bzw. jede Idee neu ertüfteln muss. Das Rad ist erfunden. Dass man digital in Verbindung stehen kann, erleichtert mir die Arbeit sehr.

Gründungsprozess

In der Summer School habe ich gelernt, alles größer zu denken und auch andere Auftraggeber, Auftraggeberinnen sowie weitere Kundengruppen mit meinem Unternehmen anzusprechen. 2017 gründete ich meinen Verlag für Publikationen in Leichter und Einfacher Sprache. Das Unternehmen ist im Handelsregister eingetragen, die Steuernummer ist beantragt. Seit September 2017 biete ich Lesungen, Vorträge und Workshops an. Die erste Buchveröffentlichung ist im Spätfrühling 2018 geplant. Während und nach meiner Summer-School-Zeit entwickelte sich eine zweite Geschäftsidee: Eine Agentur für Übersetzungen im Bereich Leichte Sprache. Im Januar 2018 habe ich erste Schritte für diese Firmengründung getätigt. Die Endkunden für die Produkte bleiben, die Zielgruppe der Auftraggeber und Auftraggeberinnen ändert sich jedoch grundlegend und hat enorm viel Potential. Der Bedarf ist sehr groß, nicht zuletzt, weil zunächst Bundesbehörden gesetzlich verpflichtet sind, barrierefreie Kommunikation vorzuhalten, und später der Streuungseffekt auf den gesamtgesellschaftlichen und wirtschaftlichen Bereich zunimmt. Leichte Sprache ist definitiv ein Wachstumsmarkt mit vielen Chancen.

Summer School 2017

Die Summer School ist ein Angebot der bpw-akademie, gefördert durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) im Rahmen des Aktionsprogramms „Perspektive Wiedereinstieg“. Die Technische Hochschule Brandenburg war Partner der „Summer School 2017“. Dr. Ralf Kleindiek, Staatssekretär im BMFSFJ, eröffnete das diesjährige Seminar.

Links:

bpw akademie - Summer School 2017

bpw akademie - Pressemitteilung zur Summer School 2017
Website

#bpwSummerschool2017
Facebook

bpw akademie – Video Summer School 2017 
YouTube

perspektive-wiedereinstieg.de:

Summer School - Erfahrungen und Hintergrundinformationen

Summer School – Gründungsgeschichten


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Foto: agentur westwerk farbe

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