Summer School 2016 – Inspiration, Gründungswille und Erfolge, Teilnehmerinnen berichten –­Teil 2

Kennen Sie das auch – neue Erfahrungen in der Familienphase sorgen für Inspiration und Lust auf berufliche Veränderung. Im Rahmen der zweiwöchigen Summer School 2016 haben Frauen, die sich nach einer familienbedingten Erwerbsunterbrechung selbstständig machen wollen, ihre Gründungsideen weiterentwickelt und setzen seitdem ihre im Seminar gesteckten Ziele mit voller Kraft und spürbarem Schwung um. Freuen Sie sich auf weitere tolle Geschichten über Gründungsmotive, Geschäftsmodelle und Erfahrungen von Teilnehmerinnen der Summer School 2016!

Foto: Heike Güßbacher, Irene Hoffmann, Heike Meinke, Kerstin Schlüter, Jasmin Stienen-Janßen (v.l.)

Zitat von Heike Güßbacher

Zeitreisen mit Oldtimer-Wohnwagen

Heike Güßbacher (41), Mutter von drei Kindern (1, 4, 6), gelernte Beamtin der Sozialverwaltung, drei Jahre Elternzeit:

"Das Beamtendasein liegt mir nicht, habe ich festgestellt. Bei einem Ausflug mit meiner Familie in ein Museum für Oldtimer-Wohnwagen war ich sofort verliebt in diese tollen ‚Familienwohnungen auf Rädern‘, mit denen man auf Zeitreise gehen kann. Ich habe anschließend gleich ein Modell aus den 70er Jahren, einen Constructam, erstanden und ihn mit viel Aufwand und Liebe zum Detail herrichten lassen. Es entstand die Idee, den Oldtimer-Wohnwagen neben der Eigennutzung auch für individuelle Reisen an Gäste zu vermieten bzw. von mir geplante Reisen mit Haltpunkten an ausgewählten Campingplätzen und Bauernhöfen anzubieten. Und wie kaum anders zu erwarten, ist unser Constructam ein richtiger Eye-Catcher auf den Campingplätzen. Mit meiner Geschäftsidee bin ich in die Summer School 2016 gestartet. Eine Freundin hatte mich auf dieses tolle Programm für Existenzgründerinnen aufmerksam gemacht, nachdem sie 2015 selbst daran teilgenommen hatte und extrem begeistert war.

In der Summer School angekommen, konnte ich sie sofort verstehen. Mich hat die Professionalität der Veranstaltung beeindruckt – das Ambiente an der Hochschule, die Technik, die Unterbringung im Businesshotel. Das alles machte es möglich, sich von Beginn an als Geschäftsfrau zu fühlen. Das war toll und inspirierend. Ich bin jetzt viel professioneller, habe die Kennzahlen für mein Unternehmen im Blick und meine Idee dahingehend weiterentwickelt, die Wohnwagen zu PR-Zwecken zu verleihen. Ich habe mein Hausfrauendasein in Richtung eigenes Unternehmen verlassen, mit dem ich künftig meinen Lebensunterhalt bestreiten kann. Mittlerweile habe ich zwei weitere Oldtimer-Wohnwagen erstanden, die ich ebenfalls hochwertig restaurieren lasse.

Mit der Summer School habe ich ein tolles Netzwerk gewonnen. Wir teilen Freud und Leid miteinander. Kommt es zu einem Durchhänger, fangen dich die anderen Frauen auf, kommt es zu einem Erfolg, freuen wir uns gemeinsam. So einen schönen Moment gab es zum Beispiel, als eine erste Anfrage für die Vermietung meines Constructam als Werbeträger eingegangen ist."

Homepage: Vintage-Caravan

Zitat von Irene Hoffmann

Schreinerhandwerk – Qualität in Teamarbeit

Irene Hoffmann (46), Mutter von vier Kindern (7, 11, 18, eines ist verstorben), Schreinerin:

"Für mich steht fest, ich will nicht alleine arbeiten. Ich möchte gemeinsam mit anderen etwas aufbauen. Ich war viele Jahre erfolgreich als Schreinerin auf Baustellen tätig, immer in Teams. Durch meine Familienphase konnte ich nicht mehr an diese mich erfüllende Art zu arbeiten anknüpfen. Meine Lebenssituation hat sich verändert. Ich bin zeitlich eingeschränkter. Auch muss ich mit Blick auf mein Alter sehen, dass die Arbeit auf Baustellen körperlich zu belastend für mich wird. Ich habe schon während der Familienphase kleinere Auftragsarbeiten als Schreinerin angenommen. Aber es liegt mir einfach nicht, im stillen Kämmerlein alleine vor mich hinzuwerkeln. Zur Summer School bin ich mit dem Plan gekommen, ein Ladengeschäft in Kooperation mit drei bis vier Kolleginnen bzw. Kollegen zu eröffnen und Möbel in Kleinserie sowie einen Reparaturservice für kleinere Aufträge in Privathaushalten anzubieten.

Es war sehr inspirierend, sich während der Summer School so intensiv mit den fachlichen Themen rund um den Gründungsprozess zu beschäftigen. Ich habe alles aufgesogen wie ein Schwamm. Bis dato hatte ich immer Scheu, mir die Informationen an sogenannten offiziellen Stellen zu beschaffen. Ein absoluter ‚Burner‘ war es für mich, zu erfahren, dass ich gar nicht allein bin in meiner Situation als Gründerin nach einer langen Familienphase. Wenn die anderen Frauen sich selbstständig machen, dann kann ich das auch. Seit der Summer School spüre ich eine neue Leichtigkeit.

Bei der Umsetzung meiner Pläne gab es jetzt einen kleinen Stolperstein. Denn leider ist die Anmietung von geeigneten Räumen für einen Laden wohl erst zum Ende des Jahres 2017 in Sicht. Doch Gott sei Dank wurde ich im Seminar darauf vorbereitet, dass es in einem Gründungsprozess auch einmal ein ‚Loch‘ geben kann. Aktuell stehe ich vor der Frage, wie ich meine Geschäftsidee von einer anderen Seite aufziehen kann, solange die Angebote noch nicht zentral über ein Ladenlokal beworben werden können. Aber mit dem in der Summer School erworbenen Handwerkszeug habe ich schon Ideen, wie ich mit den neuen Herausforderungen am besten umgehen kann."      

Zitat von Heike Meinke

Personal-Stylist mit dem Rund-um-Sorglos-Paket für Geschäftsleute

Heike Meinke (54), Mutter von drei Kindern (20, 23, 29), gelernte Schneiderin und Dipl.- Ing. für Bekleidungstechnik mit Schwerpunkt Bekleidungsdesign, Fernstudium zur Farb- und Stilberaterin an der Typ-Akademie Darmstadt, lange Familienzeit:

"Ich war quasi komplett für die Familie da, was ich nicht bereue. Mein Mann war beruflich sehr eingespannt, wir haben über lange Jahre eine ‚Wochenend-Beziehung‘ geführt. Zwar war ich gelegentlich für Modenschauen, als Auftragsmalerin oder Modeberaterin tätig, aber es blieb einfach zu wenig Zeit, mich auf ein berufliches Ziel zu fokussieren. Mit der Teilnahme an der Summer School 2016 hat sich das geändert. Ich hatte mich bei der städtischen Gleichstellungsbeauftragten über Förderungsprogramme für Frauen, die sich nach einer Familienphase selbstständig machen wollen, erkundigt. Glücklicherweise schickte sie mir das Programm der bpw-akademie zu.

In der Summer School konnte ich mir unternehmerisches Know-How und berufliches Selbstbewusstsein holen. Es war spannend für mich, über den Tellerrand zu schauen und zu erfahren, wie es den anderen Gründerinnen geht. Trotz so unterschiedlicher Charaktere war mit Hilfe der professionellen Moderation durch die beiden Veranstalterinnen ein respektvoller und ehrlicher Umgang miteinander möglich. Wir hatten einen geschützten Raum. Niemand musste Angst haben, dass Ideen geklaut werden. Ich bin mit dem Vorhaben zur Summer School gekommen, mich als Typberaterin selbstständig zu machen. Hierzu hatte ich gerade eine entsprechende Fortbildung abgeschlossen.

Im Seminar war ich gefordert, mein Alleinstellungsmerkmal herauszuarbeiten. Jetzt weiß ich, was meine Dienstleistung von der anderer unterscheidet, was sie einzigartig macht. Auch meinen anfänglichen Irrglauben, dass ich noch mehr Weiterbildung, noch ein Zertifikat und noch eins brauche, habe ich überwunden. Der Bericht eines Unternehmers, der im Rahmen der Summer School uns Existenzgründerinnen von seinem Start-Up-Prozess erzählte, hat mir Mut gemacht. Er hat mir gezeigt, dass man auch mal „frech“ sein darf und sagen kann: Jawoll, ich lege los, ich mach’s jetzt einfach! 2017 gehe ich mit meiner Geschäftsidee an den Markt. Als ‚Personal-Stylist‘ biete ich meinen Kunden und Kundinnen, die weder Zeit, noch Stilsicherheit bzw. Interesse haben, sich persönlich um ihr modisches Äußeres zu kümmern, ein Rund-um-Sorglos-Paket für eine passende saisonale Bekleidungskollektion an."

Zitat von Kerstin Schlüter

 

Virtuelle Mal.Zone

Kerstin Schlüter (48), Mutter von zwei Kindern (16, 17), gelernte Industriekauffrau und Diplom-Wirtschaftsingenieurin, insgesamt acht Jahre Familienphase:

"Vor zwei Jahren startete ich meinen beruflichen Wiedereinstieg. Zunächst knüpfte ich an meine bisherige berufliche Laufbahn an und arbeitete als Wirtschaftsingenieurin in einem internationalen Luftfahrtkonzern. Nach siebeneinhalb Monaten kündigte ich meinen Arbeitsvertrag. Ich konnte es mir einfach nicht mehr vorstellen, länger in einer männerdominierten Unternehmenskultur zu arbeiten. Ich entschloss mich, mein während der Familienphase begonnenes Studium der Malerei und Grafik zügig abzuschließen. Malen ist meine Leidenschaft. Ich weiß, dass viele Frauen und Männer diese Liebe teilen und sich gerne künstlerisch weiterentwickeln möchten. Doch nicht alle haben die Möglichkeit, neben ihren Berufs- und Familienaufgaben oder anderen wichtigen Dingen eine Malschule zu besuchen oder ein Studium mit Präsenzzeiten zu absolvieren. So entwickelte ich die Idee, eine Malschule im Internet zu gründen.

Durch einen glücklichen Zufall entdeckte ich über das Portal www.perspektive-wiedereinstieg.de die Summer Schooll. Ich bewarb mich kurzentschlossen und konnte teilnehmen. Mich beschäftigte vor allem die Frage, wie meine Idee auf dem Markt ankommen würde. In der Summer School habe ich dazu professionelles Feedback erhalten. Meine Marktanalyse, die ich im Rahmen des Intensivseminars anfertigte, hat bestätigt, dass es meinen Ansatz in dieser Form in Deutschland nicht gibt. Der Markt hat ein großes Potenzial, das kann ich gar nicht alles auf einmal bedienen. Für mich war daher das Thema Skalierbarkeit sehr spannend. Prof. Dr. Klaus Sailer ermunterte uns, neue Perspektiven zu unseren Projekten einzunehmen, den Blick für die Möglichkeiten zu schärfen. So ergaben sich schnell Ansätze für Folgeprojekte, die ich nach und nach zu etwas Großem aufbauen kann.

Jetzt kommt das Wichtigste! Ich bin Perfektionistin. Bisher habe ich immer einen Grund gefunden, warum meine Ideen noch nicht reif für die Öffentlichkeit sind. Dank der Summer School habe ich gelernt, es wird auch perfekt, wenn ich einfach loszulege, probiere, Erfahrungen sammle und auch Fehler zulasse. Der Markt bestimmt das für ihn perfekte Ergebnis. Mit diesem System komme ich leichter in die Umsetzung meiner Ideen. Mit dem Resultat, dass meine virtuelle Malschule im März 2017 an den Start geht."

Homepage: MalZone

Zitat von Jasmin Stienen- Janßen

 

Therapeutisches Spielzeug im Bereich Inklusion

Jasmin Stienen-Janßen (43), lebt in einer Patchworkfamilie mit drei Kindern (15, 17, 21), gelernte Fitness- und Gesundheitstrainerin, insgesamt 15 Jahre Familienphase:

"Meine Idee gibt es in dieser Form noch nicht auf dem Markt. Ich habe ein therapeutisches Spielzeug im Bereich Inklusion für öffentliche Institutionen entwickelt und möchte es mit meinem eigenen Unternehmen vermarkten. Experten gaben mir den Rat, gleich richtig groß an den Markt zu gehen, sonst würde die Idee von anderen weggegriffen. Also überlegte ich mir eine strategische Vorgehensweise für die Produktion und die damit verbundenen Beschäftigungsverhältnisse. Als ich unserer Gleichstellungsbeauftragten vor Ort in groben Zügen von meinem Vorhaben erzählte, hat sie mir die Summer School empfohlen.

Ich bin mit viel Elan und Euphorie in die Summer School gestartet. Das erste Feedback, ich solle meine Idee nicht zu groß denken, da ich sonst nicht in die Umsetzung komme, hat mich zunächst irritiert. Ich war niedergeschlagen, habe mich nicht verstanden gefühlt. Aber dieser kleine und berechtigte Dämpfer hat mir gutgetan. Ich habe gelernt, dass man eine Vision auf Machbarkeit prüfen muss. Aus dieser Analyse lassen sich dann die richtigen Schritte ableiten. Wenn ich heute an Projektmanagement denke, kommt mir eine Sanduhr in den Sinn. Etwas Großes ist als Idee in allen Einzelheiten vorhanden, dann muss jedes einzelne Körnchen einen Prozess durchlaufen, um anschließend ein neues großes Ganzes zu ergeben. Wenn ich den Prozess gut gemanagt habe, ist alles erfolgreich gelaufen.

Mittlerweile habe ich einen Prototyp meines therapeutischen Spielzeuges erstellt. Ich stelle das Produkt ausgewählten Einrichtungen drei bis vier Wochen kostenlos zum Test zur Verfügung. Anschließend evaluiere ich mit Hilfe eines selbst entwickelten Fragebogens die Nutzbarkeit, Produktqualität und vieles mehr. Diese Erkenntnisse setze ich dann zur Weiterentwicklung meines Produkts ein. Ich nutze diese Vorgehensweise, um zu einem echten Qualitätsprodukt zu kommen. Ganz wie ein Profi. Und wenn ich mit den Fingern schnippe, ist sie wieder da, meine Vision, meine große Idee, an der ich mich strategisch ausrichte."

Sie möchten mehr über das Seminarkonzept erfahren?

Den Beitrag „Summer School – ein Format mit nachhaltigem Erfolg“ finden Sie hier.

Links:

bpw-akademie - Summer School 2016
Website 

Unternehmerinnen Portraits - Teilnehmerinnen der Summer School 2015
Portraits auf der Website der bpw akademie

perspektive-wiedereinstieg.de:

Beiträge zur Summer School

Erfahrungen und Hintergrundinformationen

Gründungsgeschichten

Ihnen hat dieser Beitrag gefallen? – Abonnieren Sie den RSS-Feed und erhalten Sie eine Nachricht, wenn ein neuer Artikel auf perspektive-wiedereinstieg.de erscheint.

Geben Sie sich oder anderen einen Motivationsschub für den beruflichen Wiedereinstieg! Versenden Sie hier Ihre persönliche perspektive-wiedereinstieg.de-E-Card.

Foto: Bild von Kerstin Schlüter (Fotografin: Bianca Westphal, Firma Lysa Bell Design)

Services

Themenlotse

Themen-Schnellzugang