Summer School 2016 – Inspiration, Gründungswille und Erfolge, Teilnehmerinnen berichten –­Teil 1

Gerade wenn die Familienphase länger dauert, kann sich manchmal das Gefühl einstellen, festzusitzen. Doch welche Kraft und spannenden Geschäftsideen sich daraus entwickeln können, wird im Rahmen der Summer School deutlich. Das zweiwöchige Intensiv-Seminar für Frauen, die sich nach einer familienbedingten Erwerbsunterbrechung selbstständig machen wollen, ist ein Angebot der bpw akademie. Die Summer School 2016 wurde in Kooperation mit der Hochschule Düsseldorf durchgeführt und vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend im Rahmen des Aktionsprogramms „Perspektive Wiedereinstieg“ gefördert. www.perspektive-wiedereinstieg.de sprach mit Teilnehmerinnen über ihre Gründungsmotive, Geschäftsmodelle und Erfahrungen, die sie mit der Summer School 2016 machten. Freuen Sie sich auf tolle Geschichten und lassen Sie sich inspirieren!

Foto: Dr. Tina Balke, Katharina Bohlender, Constanze Brinkmann, Kathrin Kruska

Zitat von Dr. Tina Balke

Die Pflanzen-Ärztin

Dr. Tina Balke (44), Mutter von drei Kindern (6, 9, ein Kind ist verstorben), neun Jahre Familienphase, gelernte Elektroinstallateurin, promovierte Agraringenieurin:

"Meine Geschäftsidee beruht auf eigenen jahrelangen Beobachtungen im Bekannten- und Freundeskreis. Dort existierte oft eine große Unsicherheit zu Fragen, woran eine Gartenpflanze erkrankt ist und wie eine fachgerechte Behandlung aussieht. Es hat mir Spaß gemacht, dort mein Wissen einzubringen und beratend zu helfen. Dies brachte mich schließlich auf die Idee, mich als Pflanzenärztin mit einer mobilen Praxis selbstständig zu machen. Wie der Weg dorthin aussehen könnte, war für mich jedoch mehr als nebulös. Daher habe ich nach Unterstützung gesucht und bin durch die Ankündigung auf dem Internetportal www.perspektive-wiedereinstieg.de auf die Summer School aufmerksam geworden. Ich habe mich dann erfolgreich um die Teilnahme beworben.

Als ich an der Hochschule Düsseldorf ankam, war mein erster Gedanke: 15 Frauen zwei Wochen auf engstem Raum, wie soll das gehen? Und ja, es war herausfordernd und anstrengend, fachlich fühlte ich mich zwischendurch manchmal ein wenig erschlagen. Aber es war toll, denn der Unterricht in dieser komprimierten Form brachte mir einen sehr guten Überblick, was ich alles im Gründungsprozess und als Unternehmerin beachten muss. Ob mit den Dozentinnen bzw. Dozenten oder unter uns Teilnehmerinnen – ich war begeistert, wie wohlwollend alle miteinander umgegangen sind.

Mein Erfolg: Am Ende der zwei Wochen konnte ich ein tolles Konzept präsentieren. Der Nebel hat sich aufgelöst und der weitere Weg ist mir nun klar. Meine Homepage ist mittlerweile entwickelt und ab April 2017 werde ich als ‚Die Pflanzenärztin‘ freiberuflich tätig sein. Der Startschuss für mich ist eine Gartenbau-Messe, auf der ich mich zum ersten Mal einem breiten Publikum präsentiere und erste Anfragen entgegennehme."

Homepage: Die Pflanzenärztin - Dr. Tina Balke

Zitat Katharina Bohlender

Nachhaltige Mode aus 100 Prozent Cashmere

Katharina Bohlender (27), Mutter von zwei Kindern (1 und 5), Bürokauffrau, drei Jahre Familienphase:

"Meine Kinder haben meinen Blick auf das Leben verändert. Nachhaltigkeit und Qualität sind mir noch wichtiger geworden. Zum Beispiel kaufe ich viel bewusster ein. Dieses neue Qualitätsbewusstsein hat ein Stück weit auch mein Lebensgefühl neu geprägt. Das konnte ich jetzt mit einem langjährigen beruflichen Traum verbinden.

Mode war schon immer meine Leidenschaft. Nach einer kaufmännischen Ausbildung habe ich mehrere Jahre in der Branche gearbeitet. Doch erst die Familienphase und der durch den Arbeitgeberwechsel meines Mannes bedingte Umzug von Baden-Württemberg nach Bayern eröffnete die Möglichkeit, einen neuen Weg zu gehen. Schnell verwarf ich den Gedanken, wieder als Bürokauffrau zu arbeiten. Denn wenn ich eine Arbeitsstelle annehme, möchte ich auch Zuverlässigkeit garantieren. Dies war allerdings nicht möglich. Mein Mann ist beruflich viel unterwegs und wir haben vor Ort keine familiäre Anbindung, um Kinderbetreuungsengpässe abzufangen. Ich habe nach einer Lösung gesucht, wie ich in meiner Situation Beruf und Familie am besten vereinbaren kann. Eine Existenzgründung bot nach meiner Einschätzung die beste Chance, beruflich wieder aktiv zu werden. Ich habe daraufhin im Internet nach Gründungsberatung für Frauen mit Kindern gesucht und bin auf die Summer School gestoßen. Toll, meine Geschäftsidee fand Anklang und ich konnte teilnehmen. In den zwei Wochen Summer School habe ich umfassendes Wissen für meinen Gründungsprozess erhalten und viel Selbstbewusstsein getankt, um meinen Traum von einer eigenen Kollektion in die Tat umzusetzen.

Direkt nach der Teilnahme an der Summer School habe ich im September 2016 mein eigenes Mode-Label ‚Cates Cashmere‘ gegründet. Mein Motto lautet 100% Herzblut, 100% Cashmere, 100% Fair Trade – sozusagen Qualität und Nachhaltigkeit von der Mongolischen Cashmere Ziege bis hin zum fertigen Produkt. Ich beziehe das naturbelassene Material direkt von den Erzeugerinnen und Erzeugern aus der Mongolei. Als gebürtige Russin habe ich einen guten Draht zu meinen Partnerinnen und Partnern vor Ort, so kann ich die Qualität meiner Produkte sicherstellen. Mittlerweile verkaufe ich meine Kollektion aus Mode-Accessoires in limitierter Auflage über meinen Online-Shop."

Homepage: Cates Cashmere - Katharina Bohlender       

Zitat Constanze Brinkmann

ZETTELRAUM – Büroorganisation und Selbstmanagement

Constanze Brinkmann (54), Mutter eines Sohnes (20), Juristin, zehn Jahre Familienphase:

"Ich habe viele Jahre erfolgreich als Rechtsanwältin gearbeitet. Aber nach meiner Familienphase wünschte ich mir einen beruflichen Neuanfang. Ich möchte Dinge tun, die mir wirklich Spaß machen. Wenn ich Strukturen schaffen und Abläufe optimieren kann, bin ich in meinem Element. So habe ich erkannt, dass gerade kleine und mittlere Unternehmen, zum Beispiel im Handwerk, in der Büroorganisation Entlastung gebrauchen können. Denn häufig fehlt im Tagesgeschäft die Zeit, die operativen Arbeiten mit der notwendigen strukturierten Vorgehensweise zu erledigen. Es häufen sich die unerledigten Aufgaben, was sich zu einem Problem auswachsen kann. Ich möchte Unternehmen dabei unterstützen, Ordnung ins System zu bringen und den Workflow zu verbessern, damit sie so Zeit für ihr Kerngeschäft gewinnen.

Allerdings fehlte es mir bislang noch an einer geeigneten Marketing-Strategie, da ich ursprünglich aus der ‚Juristerei‘ komme und Werbung dort weitgehend untersagt ist. Auf der Suche nach Unterstützung wurde ich auf dem Portal www.perspektive-wiedereinstieg.de fündig und bin dem Angebot, an der „Summer School“ teilzunehmen, gefolgt. Ich habe Unterstützung für meine Planungen erhalten und im September 2016 meine Firma ZETTELRAUM gegründet. Inzwischen habe ich die ersten Kundinnen bzw. Kunden gewonnen.

Die Kontakte zu den anderen Teilnehmerinnen bestehen teilweise auch nach der Summer School fort. Der Erfahrungsaustausch in der Gruppe war und ist sehr wertvoll. Derzeit erarbeite ich mit zwei weiteren Alumni in Form einer Kooperation Strategien zur Kundenakquise."

Homepage: ZETTELRAUM - Constanze Brinkmann

Zitat Kathrin Kruska

 

Familiencoaching/-beratung für Familien mit besonderen Kindern

Kathrin Kruska (43), Mutter von vier Kindern (8, 10, 12, 12), Studienrätin mit der beruflichen Fachrichtung Maschinenbau/Mathematik, zehn Jahre Elternzeit:

"Nach der Teilnahme an einem Wiedereinstiegsprojekt im Kreis Gifhorn (Projekt PERFEKT) habe ich beschlossen, mich beruflich zu verändern und mich selbstständig zu machen. Aufgrund der Erfahrungen meiner Kinder mit dem System Schule wollte ich nicht mehr in meinen Beruf als Lehrerin zurückkehren. Gleichzeitig ist es mir ein großes Anliegen, Eltern, die so wie ich mit dem Thema Inklusion in der Schule konfrontiert werden, zu unterstützen und sie als systemischer Coach professionell zu begleiten. So ist aus dem eigenen Erleben eine Geschäftsidee entstanden, mit der ich mich schließlich bei der Summer School erfolgreich beworben habe.

In den zwei intensiven Wochen ist es mir mit Hilfe der Veranstalterinnen Frau Klein und Frau Kraushaar, der Dozentinnen und Dozenten sowie durch den Austausch mit den anderen Teilnehmerinnen gelungen, meine Professionalität und meine Fähigkeiten auszugraben, die aufgrund meiner langen Elternzeit ein wenig verschüttet waren. Ich war überrascht, was alles zum Vorschein kam. Meine Talente waren nicht verschwunden, sie hatten nur geruht. Mich hat berührt, zu erfahren, dass jede Zweifel hat, dass bis dato jede für sich mit ihren Bedenken kämpfen musste. Wir Teilnehmerinnen haben uns im Prozess immer wieder gegenseitig aufgebaut und unterstützt. Ein herzliches Dankeschön auch an Frau Klein und Frau Kraushaar – sie haben uns ganz wunderbar begleitet. Ich hatte zu jedem Zeitpunkt das Gefühl, mich an sie wenden zu können. Einfach ein gutes Gefühl!

Für mein Konzept bekam ich immer wieder Bestätigung. Gleichzeitig erhielt ich Anregungen, nochmals um die Ecke zu denken und verschiedene Perspektive einzunehmen. Die Konzentration auf das Alleinstellungsmerkmal unseres Geschäftsvorhabens durchzog sich durch alle Blöcke der Summer School. Für mich lautete die Frage, warum sollten die Menschen gerade meine Dienstleistung in Anspruch nehmen, was biete ich Besonderes. So hat sich über die zwei Wochen ein immer deutlicheres Bild ergeben, was ich wirklich machen möchte. Gleichzeitig lernte ich, dieses zu formulieren und zu präsentieren.

Im Juni 2017 werde ich meine Ausbildung als systemischer Coach abschließen. Dann lege ich los! Im Rahmen der Ausbildung habe ich bereits verschiedene Coaching-Projekte durchgeführt. Dadurch konnte ich mein Netzwerk vergrößern. Räumlichkeiten stehen für meine neue Tätigkeit inzwischen auch schon zur Verfügung."

Sie möchten mehr über das Seminarkonzept erfahren?

Den Beitrag „Summer School – ein Format mit nachhaltigem Erfolg“ finden Sie hier.

Links:

bpw-akademie - Summer School 2016
Website 

Unternehmerinnen Portraits - Teilnehmerinnen der Summer School 2015
Portraits auf der Website der bpw akademie

perspektive-wiedereinstieg.de:

Beiträge zur Summer School

Erfahrungen und Hintergrundinformationen

Gründungsgeschichten

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