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Interview
Hans-Georg Nelles, Sozialwissenschaftler, dreifacher Vater und Väter-Experte, berät Unternehmen in Fragen der Vereinbarkeit von Vaterschaft und Karriere, schreibt auf vaeterblog.de über aktuelle Väter-Themen und führt zurzeit die Pilotstudie „Väter und Wiedereinstieg der Partnerin“ durch. Erste Ausblicke auf die Ergebnisse gibt er im Gespräch mit perspektive-wiedereinstieg.de.
perspektive-wiedereinstieg.de: Sie machen sich für die Potenziale von Vätern in Betrieben stark, bloggen zu aktuellen Väter-Themen und sind Vorstandsmitglied des neu gegründeten Bundesforums für Männer. Wie wird man Väter-Experte?
Hans-Georg Nelles: Ich bin Vater von mittlerweile drei erwachsenen Kindern. Meine Frau hat die gleiche Ausbildung wie ich und war immer berufstätig. Insofern ist das Thema für mich seit jeher auch ein privates gewesen. Beruflich bin ich vor 15 Jahren durch eine interne Stellenausschreibung in ein Projekt gekommen, das sich damals „Situationsgerechte und passgenaue Qualifizierung für Väter und Mütter während des Erziehungsurlaubs“ nannte.
perspektive-wiedereinstieg.de: Diesen Ansatz haben Sie dann weiterentwickelt?
Hans-Georg Nelles: 2003 habe ich „Väter und Karriere“ entwickelt und ein Jahr später gestartet – das Label, das ich heute noch benutze. Die Idee war, das Thema Vaterschaft und Beruf direkt in den Unternehmen zu platzieren. Ich wollte sehen: Was machen sie denn entsprechend für Väter? Zu dieser Zeit waren Männer, die die Vater-Rolle auch aktiv annahmen, für Unternehmen mehr oder weniger unbekannte Wesen. Sie tauchten ab und zu auf, wenn denn mal ein „Exot“ Erziehungsurlaub nahm. Das war wirklich kalte Akquise, bis ich dann die Unternehmen gefunden habe, die das Thema für interessant hielten und merkten: Väter wollen sich eigentlich anders verhalten, aber die Strukturen und Unternehmenskulturen sind da noch nicht ganz passend. Seitens der Väter ist – zumindest theoretisch – eine Urbereitschaft da. 50 bis 60 Prozent aller werdenden Väter sind bereit, in die Elternzeit zu gehen, gut 20 Prozent machen das inzwischen. Was hindert die anderen 40 daran es ebenfalls zu tun? Das ist die spannende Frage.
perspektive-wiedereinstieg.de: Wenn beide Partner paritätisch einer Erwerbsarbeit nachgehen und je als Elternteil eine aktive Rolle einnehmen können – was sind die Voraussetzungen, dass das gelingt?
Hans-Georg Nelles: So ein Modell klappt nur, wenn es das Ergebnis einer bewussten Absprache ist. Das heißt, es müssen ständig Aushandlungsprozesse zwischen den Partnern stattfinden, die nicht für das ganze Leben gültig sind, sondern immer wieder geführt werden müssen. Man muss reden, aushandeln und gucken: Was ist wichtig für den einen, was für den anderen?
Wenn eine Frau ihren Wiedereinstieg als Geheimprojekt organisiert, dann geht das im System Familie natürlich nicht gut. Stattdessen muss sie dem Mann das starke Signal geben: Ich bin jetzt bereit, einen finanziellen Beitrag zum Familienbudget zu erwirtschaften – und es muss Änderungen in der Familienorganisation und auch im Haushalt geben. Wenn das thematisiert wird – und zwar rechtzeitig –, dann lassen sich Männer auch darauf ein. Frauen müssen das offensiv angehen.
perspektive-wiedereinstieg.de: Sie führen zur Zeit eine Studie durch, die den partnerschaftlichen Aspekt beim beruflichen Wiedereinstieg in den Fokus nimmt. Mit welchen Vorannahmen sind Sie an die Studie herangegangen?
Hans-Georg Nelles: Es gibt eine Reihe von Befragungen, insbesondere von Müttern, wie der Wiedereinstieg läuft, welche Vorstellungen sie haben und so weiter. Eines der Ergebnisse ist immer, dass sie sich eine verstärkte Unterstützung durch den Partner wünschen. Eine weitere Quelle war meine eigene Erfahrung in diesem Bereich, die ich seit Mitte der 90er Jahre gesammelt habe.
Bei der Studie werden 36 Interviews ausgewertet: Zwölf mit Vätern, die keine eigene Elternzeit genommen haben, zwölf, die die klassischen zwei Monate genommen haben und zwölf, die mindestens ein halbes Jahr genommen haben oder bei der Elternzeit älter als 38 Jahre beim zweiten und dritten Kind sind. Die Hypothese: Die Väter, die eigene Elternzeiterfahrung haben, beeinflussen die Berufsrückkehr der Partnerin positiv. Sie haben einen dynamischen Lebenslauf mit Elternzeit nicht nur selbst erlebt, sondern auch die bewusste Entscheidung dafür getroffen – die bestimmte Auslotungsprozesse, zum einen in der Partnerschaft, zum anderen mit dem Arbeitgeber erforderlich gemacht hat. Was sind die Punkte, die kritisch sind, oder positiv formuliert: Was muss passieren, damit das gelingen kann? Diese Erfahrungen sollen so zusammengefasst werden, dass sie unter anderem Hinweise, Tipps und Checklisten für die Partnerin ergeben.
perspektive-wiedereinstieg.de: Wie können die Bedingungen für Paare, die Berufs- und Familienleben gleichberechtigt organisieren – gerade auch unter dem Gesichtspunkt des Wiedereinstiegs – verbessert werden?
Hans-Georg Nelles: Was wir brauchen ist eine Anerkennungskultur in den Unternehmen. Es muss wertgeschätzt werden, wenn Männer sich anders verhalten, in Elternzeit gehen und ihre Arbeitszeit reduzieren – das gleiche gilt für Frauen. Die Vorstellungen über den Rollenwandel sind da, und er möchte gelebt werden, stößt aber gerade was die Arbeitswelt angeht noch zu sehr an strukturelle Grenzen. Ich bin da aber positiv gestimmt. Gerade auch, wenn ich die nachrückende Generation sehe. Das ist die Aufgabe, vor der wir stehen: diese Widersprüche aufzulösen, damit das, was an Lebenskonzepten in den Köpfen von jungen Frauen und jungen Männern ist, nicht direkt beim ersten festen Job scheitert, sondern im Gegenteil umgesetzt werden kann.
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Für Ehemänner, Lebenspartner und Kinder ändert sich einiges, wenn die Frau wieder arbeiten geht. Familien ziehen am besten mit, wenn sie eingebunden werden. Wichtig ist, dass man sich aufeinander verlassen kann.
Volker Baisch ist diplomierter Sozialwirt und zweifacher Vater. Als Initiator und Geschäftsführer von Väter e.V., Berater, Coach und Buchautor engagiert er sich für die Vereinbarkeit von Vaterschaft und Karriere. Im Gespräch mit perspektive-wiedereinstieg.de erklärt er, inwieweit Väter in Elternzeit und wiedereinsteigende Mütter zwei Seiten derselben Medaille sind.
Mehr Zeit für die Familie: viele Väter werden aktiv, um diesen Wunsch zu verwirklichen. Der Familienreport 2010 des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend zeigt aber auch einen Rückgriff auf das Bewährte – vermutlich aufgrund der Wirtschaftskrise.
Im Netzwerk Ichbinpapa.de können moderne Väter, die ebenso wie ihre Frauen Familie und Beruf vereinbaren, Erfahrungen austauschen, Tipps für die Praxis als Vater einholen und gemeinsam das Rollenbild des Mannes von heute prägen.
Mit www.vaeter-zeit.de ist bereits im Sommer 2009 ein Projekt online gegangen, das eine selbstbewusste Vaterschaft vertritt. Informativ, kritisch und begeistert werden alle Aspekte rund um das Vatersein und das Leben mit heranwachsenden Kindern und Familie in den Fokus genommen.
Mit www.vaeter-in-balance.de ist eine Info-Seite online gegangen, die die Vereinbarkeit von aktiver Vaterschaft und Beruf unterstützt. Dazu bietet sie Hilfestellungen zur Umsetzung väterfreundlicher Maßnahmen in Unternehmen, aber auch väternaher Dienstleistungen im sozialen Bereich an.
Hier sind einige Fragen aufgelistet, die man bedenken sollte, wenn die Lebenspartnerin oder Ehefrau wieder arbeiten geht. Sie helfen dabei, den eigenen Standpunkt zu finden.
IT-Spezialist, Maschinenschlosser und Künstler – drei Beispiele von Männern, die nicht nur Wochenend-Papa sein wollen. Sebastian Maus, Winfried Growe, Andreas Bischoff und Ali Dericioglu haben individuelle Lösungen gefunden, sich um ihre Kinder zu kümmern.
Frauke Greven ist Inhaberin von "Spielraum – Elternzeit&KarrierePlanung" in Köln. Sie arbeitet als unabhängige Beraterin zu den Themen Mutterschutz, Elternzeit, finanzielle Förderung, Kinderbetreuung und Karriereplanung. Im Gespräch für "Perspektive Wiedereinstieg" haben wir sie nach ihren Erfahrungen mit der jetzigen Generation von Vätern befragt.
© 2009 Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend