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Ulrike Bergmann über die Kunst des Netzwerkens

„Keiner muss sich verbiegen“

Ulrike Bergmann arbeitet als Coach und Beraterin, sie nennt ihren Arbeitsplatz „Büro für ungewöhnliche Zielerreichung“. Ihr Anliegen ist es, Menschen zu ermutigen, ihre Wünsche und Träume ernst zu nehmen. Sie zeigt ihnen, wie sie daraus kraftvolle Ziele ableiten und diese auf ihre eigene Art und Weise auch erreichen können. Zu ihren Schwerpunkten gehören Zielfindung und Netzwerkarbeit. Im Interview mit perspektive-wiedereinstieg.de spricht sie über Netzwerke.

perspektive-wiedereinstieg.de: Wozu brauchen Menschen Netzwerke?

Ulrike Bergmann: Auch früher hatten Menschen Netzwerke, nämliche Freunde und Familie, Bekannte und Kollegen. Heute wird stattdessen meist von Netzwerken gesprochen. Doch im Grunde ist es das Gleiche: die Gesamtheit aller privaten und beruflichen Kontakte. Was sich geändert hat: Es gibt deutlich mehr organisierte Netzwerke zu allen möglichen Themen und Interessen; dazu kommt noch eine zunehmende Zahl von virtuellen Netzwerken. Da kann man schon mal den Überblick verlieren.

perspektive-wiedereinstieg.de: Netzwerken – was bedeutet das eigentlich?

Ulrike Bergmann: Früher nannte man es Beziehungspflege, manchmal auch „Vitamin B“ oder Seilschaften. Da diese Begriffe schon lange einen Beigeschmack haben, wird heute vielfach der englische Begriff „Networking“ verwendet oder ins Deutsche übertragen von „Netzwerken“ gesprochen. Damit verbunden sind viele Aspekte, wie: Wo finde ich die Menschen, die am besten zu mir passen? Mit wem habe ich die meisten Anknüpfungspunkte? Wer kann mir beruflich weiter helfen?

perspektive-wiedereinstieg.de: Kann das jeder?
Ulrike Bergmann: Im Grunde ja, denn Menschen sind auf soziale Kontakte angewiesen, um zu überleben. Wie die einzelne Person dies macht, ist individuell verschieden. Es gibt solche, die sehr kontaktfreudig sind und leicht auf andere zugehen; andere wiederum brauchen eine Anlaufzeit, ehe sie mit Menschen warm werden, sind dafür jedoch meist sehr verlässlich und treu. Für die einen ist es einfacher im persönlichen Kontakt, für andere ist die virtuelle Form die beste Möglichkeit, Kontakte zu knüpfen und vor allem auch zu pflegen. Das hängt vom jeweiligen Typ ab. Hier ist es wichtig, sich nicht zu verbiegen, sondern zur persönlichen Note zu stehen.

perspektive-wiedereinstieg.de: Welche Eigenschaften muss jemand, der netzwerken will, mitbringen?

Ulrike Bergmann: Wichtig sind eine gewisse Kontaktfreude und die Bereitschaft, auf andere Menschen zuzugehen. Das kann auf unterschiedliche Weise geschehen. Dazu kommen noch Interesse an Menschen, Neugier, Offenheit und vernetztes Denken. Letzteres bedeutet, dass ich in Verknüpfungen denke: Wer passt zu wem? Wen kann ich mit meinen Verbindungen unterstützen? Was habe ich, was andern nützt? Das ist übrigens ein Punkt, mit dem sich Frauen, die längere Zeit nicht berufstätig waren, oft schwer tun.

perspektive-wiedereinstieg.de: Kann man diese Eigenschaften erlernen?

Ulrike Bergmann: All diese Fähigkeiten und Vorgehensweisen lassen sich erlernen. Dafür gibt es zahlreiche Bücher und auch bundesweit immer wieder Vorträge und Seminare. Diese sind bei der Volkshochschule ebenso zu finden wie an der Industrie- und Handelskammer und anderen Institutionen. Die findet man leicht durch Internetsuchmaschinen.

perspektive-wiedereinstieg.de: Frauen, die lange aus dem Job ausgestiegen sind, verfügen ja selten über ausgedehnte berufliche Netzwerke, was können sie tun, um das zu ändern?

Ulrike Bergmann: Am besten fangen sie da an, wo Sie sind: vor der eigenen Haustüre. Also mit den Nachbarn, Freundinnen und Freunden, Bekannten. Dazu kommen noch die Kontakte aus Kindergarten und Schule – soweit es Frauen sind, haben diese meist einen Partner, der im Beruf steht. Frauen unterschätzen meist, wie viele Menschen sie bereits kennen und wissen oft nicht, mit wem diese Personen wiederum verbunden sind. Am besten machen Sie einmal eine Aufstellung aller Menschen, die Sie kennen. Sie werden überrascht und erstaunt sein, wen Sie alles kennen.

Ein zweiter Schritt ist, aktiv hinaus zu gehen und Kontakte zu knüpfen. Es gibt inzwischen sehr viele Frauennetzwerke, in denen Sie auch Unterstützung in beruflichen Fragen bekommen. Als Beispiele möchte ich hier einige bundesweit vertretene Netzwerke nennen: BPW, Connecta, BFBM. Dazu kommen noch viele regionale Netzwerke. Eine gute Übersicht bietet die Seite www.networkingscout.de. Hier kann man nach unterschiedlichen Kriterien recherchieren.

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Weiterführende Informationen

  • Infotext: Zwei Jahre Lotsenportal

    Das Lotsenportal www.perspektive-wiedereinstieg.de hat offenbar einen Nerv getroffen: Bereits über 4,5 Millionen Mal wurde das Internetportal bisher angeklickt. Gut zwei Jahre nach dem Start hat sich das Onlineangebot des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend und der Bundesagentur für Arbeit damit zur zentralen Anlaufstelle rund um den beruflichen Wiedereinstieg entwickelt.

  • Infotext: Ein zentraler Anlaufpunkt

    Das hessische „NeW Netzwerk Wiedereinstieg " macht Frauen fit für einen neuen beruflichen Anfang. Das Hessische Ministerium für Arbeit, Familie und Gesundheit stellt für zwei Jahre 570 000 Euro aus einem Programm des Europäischen Sozialfonds (ESF) bereit. Ziel des ESF ist es, Impulse für eine moderne Arbeitsmarktpolitik zu setzen.

  • Infotext: Führen Sie sich Ihre Kontakte konkret vor Augen

    Wie so oft im Leben gehört es auch beim „Netzwerken“ dazu, sich ein klares Ziel zu setzen. Schrittweise geht es dann zum Erfolg – und zwar auch durch informelle Netzwerke.

  • Linkliste: Netzwerke für Frauen

    Folgende Adressen von Verbänden, Vereinen und Netzwerken verstehen sich als Auswahl und erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit:

  • Linkliste: Gut vernetzt ist halb gewonnen

    Qualifikation ist wichtig – und Netzwerke sind es auch. Wer sich Netzwerken anschließt, kann sich mit anderen Frauen austauschen, erhält Tipps und erfährt sogar manchmal etwas von freien Stellen. Bundesweit gibt es zahlreiche Netzwerke mit unterschiedlichen Zielsetzungen.

  • Buch- und Broschürentipps: Bücher zum Thema Netzwerken

    Falls Sie sich unsicher fühlen beim Thema „Netzwerken“, können Sie sich mit folgenden Büchern weiter informieren. Ulrike Bergmann hat sie speziell für Wiedereinsteigerinnen ausgewählt.

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