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Interview mit Heike Hein zur Jobsuche

"Kompetenzerwerb findet nicht nur im Beruf statt"

Heike Hein arbeitet seit zehn Jahren als Business Coach. Im vergangenen Jahr (2008) hat sie gemeinsam mit der VHS Salzhausen und der dortigen Gleichstellungsbeauftragten erstmals einen Workshop "Mut zum Durchstarten" angeboten. Im Gespräch mit Perspektive Wiedereinstieg berichtet sie von ihren Erfahrungen.

Perspektive Wiedereinstieg: Frau Hein, brauchen Frauen, die nach einer längeren Kinder- oder Pflegezeit wieder in den Beruf zurück wollen, besondere Motivation?

Heike Hein: Wir haben es ja nicht mit einer homogenen Gruppe zu tun – jede Frau hat ihre individuelle Geschichte, ist eine individuelle Persönlichkeit. Ich kann aber grundsätzlich sagen, dass bei vielen Frauen, die ich kennengelernt habe, das Selbstwertgefühl im Keller war.

Perspektive Wiedereinstieg: Und wie lockt man es wieder hervor?

Heike Hein: Frauen sind Weltmeister darin, ihr Licht unter den Scheffel zu stellen. Wenn ich eine Frau frage, was sie gut kann, kommt kaum eine spontane Antwort. Eher folgt eine Liste mit zehn Dingen, die sie nicht kann. Es geht also darum, sich klar zu machen, welche Fähigkeiten man besitzt.

Perspektive Wiedereinstieg: Nicht so einfach, wenn man sich verzagt auf den Weg macht, seinem Leben eine neue Wendung zu geben...

Heike Hein: Das stimmt. Aber das ist kein Grund, verzagt zu sein. Im Gegenteil – man hat die Chance, sich neu zu orientieren. Das ist doch prima. Man kann ja auch zu dem Entschluss kommen, dass der alte Beruf sowieso nicht das Richtige war und man etwas Neues ausprobieren möchte. Kompetenzerwerb findet nicht nur im Berufsleben statt – auch in der Familie.

Perspektive Wiedereinstieg: Oft tauchen Fragen auf wie zum Beispiel "Mit Mitte Vierzig nimmt mich ja sowieso keiner mehr..." Wie kann man sich selbst motivieren?

Heike Hein: Es ist schwierig, auf dem Arbeitsmarkt Fuß zu fassen, das will ja niemand leugnen. Aber man kann sich Zeit nehmen für die erste Phase der Orientierung und das eigene Profil rausarbeiten. Das heißt, plakativ gesagt, "die Marke Kerstin XY schärfen" und dann eigeninitiativ auf die Suche nach der Firma gehen, der man diese Fähigkeiten zur Verfügung stellen möchte.

Perspektive Wiedereinstieg: Wie lange sollte man sich denn Zeit nehmen für die erste Orientierung?

Heike Hein: Wie gesagt, das kommt immer auf die individuelle Situation an. Aber die Orientierungsphase kann ruhig ein halbes Jahr dauern. Und dazu gehört auch, quer zu denken. Man kann alle seine Freunde fragen, "Was glaubst du, was kann ich besonders gut?" und man wird sich wundern, was da alles zusammengetragen wird.

Perspektive Wiedereinstieg: Und was kommt nach der Orientierungsphase?

Heike Hein: Die Bewerbungsphase. Und da ist Durchhaltevermögen gefragt. Zum Glück gibt es viele Fachleute, die einem bei der Bewerbung helfen können. Da würde ich professionelle Hilfe annehmen. Und wenn Absagen kommen, die natürlich wehtun, das ist bekannt, muss man sich vielleicht aber auch sagen, dass da nicht jemand "besser", sondern vielleicht nur "passender" fürs Jobprofil war.

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